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Warum Freundschaften im Teenageralter so wichtig sind – und was Jugendliche in ihnen fürs Leben lernen

8–12 Minuten
Die fünf Mitmachbücher der Reihe Freundinnenzeit von Renel Ashmoor auf einer rosafarbenen Picknickdecke.

Mit vierzehn kann eine unbeantwortete Nachricht einen ganzen Nachmittag verändern. Ein Platz neben der richtigen Person macht den Schultag leichter. Und ein Streit, der Erwachsenen vielleicht nebensächlich erscheint, kann sich anfühlen, als wäre gerade eine kleine Welt zusammengebrochen.

Das liegt nicht daran, dass Jugendliche unnötig dramatisch sind. Freundschaften übernehmen im Teenageralter Aufgaben, die sie vorher in dieser Form noch nicht hatten.

Freundinnen und Freunde sind nun nicht mehr nur Menschen, mit denen man die Pause verbringt. Sie werden zu Vertrauten, Verbündeten, ehrlichen Kritikerinnen, Mitwissern und manchmal auch zur ersten selbst gewählten Form von Familie. In diesen Beziehungen erproben Jugendliche, wer sie außerhalb ihres Elternhauses sein möchten – und wie Nähe funktioniert, wenn sie nicht durch Verwandtschaft vorgegeben ist.

Wenn die Meinung von Freundinnen plötzlich mehr Gewicht bekommt

In der Kindheit werden viele Beziehungen noch von außen organisiert. Eltern verabreden Treffen, Schulklassen geben den möglichen Freundeskreis vor und gemeinsame Hobbys bestimmen, wen man regelmäßig sieht.

Im Teenageralter wird Freundschaft bewusster ausgewählt. Jugendliche entscheiden zunehmend selbst, wem sie etwas anvertrauen, wessen Urteil ihnen wichtig ist und bei wem sie sich nicht ständig erklären müssen.

Gleichzeitig verändert sich das Verhältnis zu den Eltern. Das bedeutet nicht, dass diese unwichtig werden. Eine Langzeitstudie über fünf Erhebungszeitpunkte zeigte vielmehr, dass die Beziehungswelten von Familie und Freundeskreis miteinander verbunden bleiben. Der Einfluss der Eltern nimmt im Verlauf der Jugend tendenziell ab, während der Einfluss von Freundinnen und Freunden wächst. Gegen Ende der Jugend können beide Welten ähnlich bedeutsam sein.

Freundschaften ersetzen das Elternhaus also nicht. Sie ergänzen es um etwas Neues: Beziehungen auf Augenhöhe, die Jugendliche zunehmend selbst gestalten und verantworten.

Freundschaften sind ein Übungsraum für die eigene Identität

Die Frage „Wer bin ich?“ lässt sich nur schwer allein beantworten.

Jugendliche probieren Musik, Kleidung, Meinungen, Humor, Interessen und Zukunftsvorstellungen aus. Einiges davon bleibt, anderes verschwindet nach wenigen Wochen wieder. Gute Freundinnen geben dabei Resonanz. Sie lachen über denselben absurden Gedanken, widersprechen, bemerken Veränderungen und erinnern daran, wie man gestern noch über eine Sache gedacht hat.

Das macht Freundschaften zu einer Art sozialem Spiegel. Allerdings nicht in dem Sinn, dass Jugendliche sich einfach aneinander anpassen sollten. Eine tragfähige Freundschaft erlaubt beides:

  • dazugehören und trotzdem eine eigene Meinung behalten,
  • sich verändern und dennoch wiedererkannt werden,
  • Unsicherheit zeigen, ohne sofort an Ansehen zu verlieren,
  • Unterschiede aushalten, ohne die ganze Beziehung infrage zu stellen.

Wer in einer Freundschaft erlebt, dass ein Nein möglich ist, ein Fehler angesprochen werden darf und eine abweichende Meinung nicht automatisch zum Ausschluss führt, lernt etwas Grundlegendes über sichere Beziehungen.

Nähe ist wichtiger als Beliebtheit

Gerade im Teenageralter kann es so wirken, als sei ein großer Freundeskreis automatisch der Beweis für ein gelungenes Sozialleben. Sichtbarkeit, Gruppenchats, Followerzahlen und Einladungen machen soziale Zugehörigkeit scheinbar messbar.

Doch Bekanntheit ist nicht dasselbe wie Verbundenheit.

Eine Langzeitstudie begleitete Jugendliche vom Alter von 15 bis 25 Jahren. Starke enge Freundschaften in der Jugend sagten eine günstigere Entwicklung des Selbstwertgefühls sowie weniger soziale Angst und depressive Symptome im jungen Erwachsenenalter voraus. Eine hohe Beliebtheit in der größeren Gruppe zeigte diesen Vorteil nicht; sie war in der Untersuchung sogar mit mehr sozialer Angst im späteren Leben verbunden.

Das bedeutet nicht, dass beliebte Jugendliche zwangsläufig unglücklich sind. Es zeigt aber einen wichtigen Unterschied: Viele Menschen zu kennen ist etwas anderes, als bei einem Menschen ehrlich sein zu können.

Eine gute Freundschaft muss deshalb nicht besonders groß, sichtbar oder aufregend wirken. Manchmal zeigt sich ihre Qualität in unspektakulären Momenten:

  • Man darf still sein, ohne die andere Person unterhalten zu müssen.
  • Eine peinliche Geschichte wird nicht zur sozialen Währung.
  • Ein Erfolg löst echte Freude statt versteckter Konkurrenz aus.
  • Eine Absage wird nicht sofort als Ablehnung gewertet.
  • Nach einem Streit ist ein Gespräch möglich.

Gute Freundinnen lösen nicht jedes Problem – aber man ist damit nicht allein

Jugendliche erleben zahlreiche Situationen zum ersten Mal: den Wechsel auf eine neue Schule, Leistungsdruck, Unsicherheit über den eigenen Körper, erste Verliebtheit, Konflikte zu Hause, enttäuschte Erwartungen oder das Gefühl, in einer Gruppe nicht richtig dazuzugehören.

Eine Freundin kann diese Probleme nicht unbedingt lösen. Sie kann jedoch etwas anderes leisten: Sie bleibt währenddessen da.

Eine Tagebuchstudie mit Jugendlichen zeigte, dass diese sich an Tagen, an denen sie mehr Unterstützung von Freundinnen, Freunden oder Eltern wahrnahmen, glücklicher und sozial stärker verbunden fühlten. Besonders interessant: Die Unterstützung beider Seiten ergänzte sich. Wenn Rückhalt im Freundeskreis fehlte, konnte Unterstützung durch die Eltern einen Teil davon auffangen.

Das ist ein hilfreicher Gedanke, weil er weder Freundschaften noch Elternbeziehungen romantisiert. Jugendliche brauchen nicht den einen perfekten Menschen, der jede Unsicherheit auffängt. Ein stabiles soziales Netz darf aus unterschiedlichen Beziehungen bestehen.

Ein Streit ist nicht automatisch das Ende einer Freundschaft

Wo Nähe entsteht, entstehen auch Reibungen.

Eine Freundin antwortet knapp. Eine Verabredung findet ohne die andere statt. Jemand erzählt etwas weiter, das eigentlich vertraulich war. Zwei Menschen verändern sich unterschiedlich schnell. Oder eine neue Freundschaft verschiebt plötzlich das bisherige Gleichgewicht.

Jugendliche müssen erst lernen, zwischen verschiedenen Situationen zu unterscheiden:

  • Bin ich verletzt worden oder lediglich enttäuscht?
  • War etwas ungeschickt oder bewusst respektlos?
  • Brauche ich eine Entschuldigung, eine Erklärung oder erst einmal Abstand?
  • Geht es um diesen einen Vorfall – oder wiederholt sich ein Muster?
  • Möchte ich recht behalten oder die Beziehung verstehen?

Nicht jeder Konflikt muss sofort gelöst werden. Aber eine gute Freundschaft sollte es grundsätzlich erlauben, über Verletzungen zu sprechen, ohne dass die andere Person mit Spott, Drohungen oder Liebesentzug reagiert.

Eine brauchbare Entschuldigung besteht dabei nicht nur aus „War doch nicht so gemeint“. Sie erkennt an, was passiert ist:

„Ich verstehe, warum dich das verletzt hat. Ich hätte dich vorher fragen müssen. Es tut mir leid, und ich werde es nicht noch einmal weitererzählen.“

Auf diese Weise werden Freundschaften zu einem Übungsraum für Fähigkeiten, die später auch in Partnerschaften, Familien und im Berufsleben wichtig bleiben: zuhören, Verantwortung übernehmen, Grenzen respektieren und nach einem Konflikt wieder aufeinander zugehen.

Nicht jede enge Freundschaft ist automatisch eine gute

Nähe allein macht eine Beziehung noch nicht gesund.

Manche Freundschaften sind intensiv, aber einseitig. Eine Person entscheidet, wer dazugehören darf, wie schnell geantwortet werden muss oder welche anderen Kontakte akzeptabel sind. Zuneigung wird dann an Bedingungen geknüpft: Wenn du meine beste Freundin bist, darfst du nicht mit ihr reden. Wenn du mir vertraust, musst du mir dein Passwort geben. Wenn du nicht sofort antwortest, bin ich dir offenbar egal.

Eine Untersuchung zu Machtverhältnissen in Jugendfreundschaften zeigte, dass das Gefühl, einer dominanten Freundin oder einem dominanten Freund untergeordnet zu sein, mit stärkeren Angst- und depressiven Symptomen zusammenhing. Veränderungen des Selbstwertgefühls spielten dabei eine Rolle.

Warnzeichen können sein:

  • Eine Person muss sich ständig rechtfertigen.
  • Geheimnisse werden als Druckmittel benutzt.
  • Andere Freundschaften sollen eingeschränkt werden.
  • Grenzen werden als Beweis mangelnder Loyalität dargestellt.
  • Hänseleien gehen regelmäßig auf Kosten derselben Person.
  • Nach einem Streit drohen Ausschluss, Bloßstellung oder Schweigen.
  • Die Freundschaft erzeugt überwiegend Anspannung statt Sicherheit.

Auch eine sehr lange Freundschaft darf überprüft werden. Gemeinsame Vergangenheit verpflichtet niemanden dazu, respektloses Verhalten dauerhaft auszuhalten.

Freundschaften dürfen sich verändern

Im Teenageralter verändert sich vieles gleichzeitig. Schulen wechseln, Interessen verschieben sich, neue Beziehungen entstehen und Zukunftspläne führen in unterschiedliche Richtungen.

Nicht jede Freundschaft übersteht diese Veränderungen – und nicht jede muss es.

Manche Freundschaften sind für einen bestimmten Lebensabschnitt wichtig, ohne ein Leben lang zu bestehen. Ihr Ende macht die gemeinsam verbrachte Zeit nicht bedeutungslos. Umgekehrt muss eine ruhiger gewordene Freundschaft nicht vorbei sein. Manchmal verändert sich lediglich ihre Form.

Es hilft, nicht nur danach zu fragen, wie häufig man miteinander schreibt, sondern wie sich der Kontakt anfühlt:

  • Können wir nach einer Pause wieder anknüpfen?
  • Interessieren wir uns noch für das Leben der anderen?
  • Darf jede von uns neue Wege gehen?
  • Besteht unsere Verbindung nur noch aus alten Erinnerungen?
  • Möchten wir beide noch Zeit und Aufmerksamkeit investieren?

Freundschaften bleiben nicht deshalb bestehen, weil alles gleich bleibt. Sie bleiben bestehen, wenn beide Menschen auf Veränderungen reagieren können.

Was Freundschaften wirklich stärkt

Nähe entsteht nicht ausschließlich durch große Gesten. Oft wächst sie aus vielen kleinen Erfahrungen von Verlässlichkeit.

Aufmerksam nachfragen

„Wie war dein Tag?“ lässt sich leicht mit „gut“ beantworten. Konkrete Fragen öffnen eher ein echtes Gespräch:

  • Was war heute besser als erwartet?
  • Wann hast du dich zuletzt richtig verstanden gefühlt?
  • Worüber musstest du diese Woche lachen?
  • Was beschäftigt dich, obwohl es eigentlich klein wirkt?
  • Welche Entscheidung würdest du gerade am liebsten jemand anderem überlassen?

Gemeinsam etwas tun

Nicht jedes gute Gespräch beginnt damit, dass man sich gegenübersitzt und über Gefühle spricht. Viele Jugendliche reden leichter beim Spazierengehen, Zeichnen, Backen, Busfahren oder während eines Spiels. Die gemeinsame Tätigkeit nimmt dem Gespräch den Erwartungsdruck.

Kleine Rituale entwickeln

Eine Playlist für lange Busfahrten, ein fester Nachmittag im Monat, eine bestimmte Begrüßung oder die Tradition, Geburtstage mit derselben schiefen Torte zu feiern: Solche Rituale schaffen gemeinsame Geschichte.

Unterschiede nicht als Bedrohung behandeln

Beste Freundinnen müssen nicht dieselben Noten, Hobbys, Meinungen oder Zukunftspläne haben. Nähe zeigt sich auch darin, der anderen Entwicklung zu erlauben, ohne jeden Unterschied persönlich zu nehmen.

Nicht nur Probleme miteinander teilen

Es ist wichtig, in schwierigen Momenten füreinander da zu sein. Eine Freundschaft sollte aber nicht ausschließlich aus Krisengesprächen bestehen. Albernheit, Neugier, Pläne und gemeinsame Erlebnisse sind keine oberflächlichen Extras – sie sind ein wichtiger Teil der Verbindung.

Sieben Fragen, die mehr verraten als „Wie gut kennst du mich?“

Wer eine Freundschaft besser verstehen möchte, kann mit Fragen beginnen, auf die es nicht nur eine richtige Antwort gibt:

  1. Welche gemeinsame Erinnerung erzählst du anders als ich?
  2. In welchem Moment hast du gemerkt, dass wir wirklich Freundinnen sind?
  3. Was kann ich gut, das ich selbst häufig unterschätze?
  4. Worüber sind wir überraschend unterschiedlicher Meinung?
  5. Woran merkst du, dass ich gerade Unterstützung brauche?
  6. Was sollten wir unbedingt einmal gemeinsam ausprobieren?
  7. Was möchtest du, dass sich zwischen uns niemals verändert?

Der Wert solcher Fragen liegt nicht darin, möglichst viele korrekte Antworten zu sammeln. Interessant wird es dort, wo zwei Freundinnen überrascht feststellen: Das habe ich ganz anders erlebt. Oder: Darüber haben wir tatsächlich noch nie gesprochen.


Fünf Mitmachbücher für gemeinsame Freundinnenzeit

Die Reihe „Freundinnenzeit – Mitmachbücher für zwei“ greift genau diese unterschiedlichen Seiten einer Freundschaft auf. Die Bücher sind keine Tests darüber, wer die „bessere“ Freundin ist. Sie schaffen Anlässe zum Fragen, Entscheiden, Diskutieren, Planen und gemeinsamen Lachen.

Jeder Band setzt dabei einen anderen Schwerpunkt:

Wie gut kennst du mich wirklich?

100 Fragen für beste Freundinnen, die glauben, schon alles voneinander zu wissen. Für überraschende Antworten, alte Erinnerungen und Details, über die man bisher noch nie gesprochen hat.

Wer von uns …?

100 Freundinnen-Duelle, Abstimmungen und kleine Wahrheiten. Wer würde eher einen völlig fremden Hund adoptieren? Wer entschuldigt sich zuerst? Und bei welchen Fragen sind sich beide sofort einig?

Würdest du eher …?

100 Entscheidungen für beste Freundinnen. Zwei Möglichkeiten, eine Wahl – und meistens sehr viel Gesprächsstoff darüber, warum die andere sich vollkommen falsch entschieden hat.

Unser Freundinnen-Ranking

100 Dinge, die gemeinsam sortiert, bewertet und diskutiert werden. Von Snacks und Songs bis zu Wochenendplänen: Hier entstehen aus scheinbar einfachen Ranglisten schnell überraschende Gespräche.

Die große Freundinnen-Bucket-List

100 Dinge, die beste Freundinnen zusammen erleben können. Für kleine spontane Ideen, größere Pläne und gemeinsame Erinnerungen, die erst noch entstehen sollen.

Die fünf Bücher können einzeln genutzt oder als Serie gesammelt werden. Sie eignen sich für Nachmittage zu zweit, Übernachtungen, Zugfahrten, Urlaube oder als persönliches Geschenk für eine Freundin – nicht, weil ein Buch eine Freundschaft herstellen könnte, sondern weil gemeinsam verbrachte Aufmerksamkeit oft der Anfang der besten Gespräche ist.


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